Alles Impro oder was?!

Was ist Impro-Theater?

Neben vielen zum Teil hervorragenden Seiten im Internet (einfach in der Suchmaschine des Vertrauens "Improtheater" eingeben), die sich diesem Thema widmen und die sehr viele Fragen beantworten, bleibt ein Punkt für alle Zuseher konsequent interessant und sorgt für skeptisches Staunen:

"Ihr habt diese Szenen echt nie geprobt? Das glaube ich / glauben wir nicht!"

Nein und nochmals nein. Es wird beim Impro-Theater nicht geprobt - es wird trainiert!

Am einleuchtendsten ist der Vergleich mit der Welt des Sports. Hat schon jemals wer gehört, dass eine Fußballmannschaft geprobt hätte? Das regelmäßige Treffen einer Mannschaft unter der Leitung ihres Trainers (und nicht Regisseurs!) wird Training genannt.

Was macht eine Mannschaft beim Training? Kurz gesagt - es wird das Beherrschen des Balls geübt, Freistöße werden geschossen, Spielzüge eingeübt, die berühmten "Laufwege" der MitspielerInnen gelernt uns so weiter. Bei einem Match wird dann versucht, alles das, was man geübt und trainiert hat, auch einzusetzen, zu kombinieren und den Gegner mit der einen oder anderen überraschenden Aktion zu überspielen um zum Erfolg zu kommen. Dabei gilt es auch noch Spielregeln einzuhalten, sich mit einer Personen namens Schiedsrichter auseinanderzusetzen, die "schrecklichen" Platzverhältnisse zu seinem eigenen Erfolg zu nutzen und vielleicht auch die eine oder andere Regelverletzung so auszufühen, dass möglichst niemand etwas davon bemerkt.

Und alle diese Punkte gelten letztlich in unterschiedlichen Abwandlungen für alle Mannschaftssportarten.

Übertragen auf das Impro-Theater bedeutet das - es werden z.B. verschiedene Szenenformate, typischen Details von diversen Genres und Musikstilen erarbeitet, der Klang einer Fremdsprache geübt, typische Tätigkeiten pantomimisch geübt, Figuren und Charaktere erarbeitet, es werden die unterschiedlichen Spielregeln und die sich daraus ergebenden Situationen trainiert um dann letztlich bei einer Vorstellung auf die gemeinsamen Erfahrung zurückgreifen zu können. Bei einer Aufführung kommt - wie bei einer Fußballmannschaft - die aktuelle Tagesverfassung hinzu und da wie dort gibt es immer wieder "geniale" Steilpässe - die allerdings ins Nirwana gehen, wenn die anderen Spieler sich nicht voll und ganz darauf einlassen und mitziehen. "Mannschaftsdienlich" ist auch beim Impro-Theater ein unbedingtes Muss.

Sicherlich - Szenen können von den Spielern und auch dem Moderator gesteuert werden, letztlich aber weiß niemand, welche Geschichten sich ergeben werden, denn das Publikum ist schlicht und ergreifend nicht berechenbar und die Stichworte - die Impulse - die kommen ausschließlich vom Publikum.
Das Publikum hat beim Impro-Theater viele Funktionen. Es ist der "12.Mann", der die DarstellerInnen zu Höchstleistungen antreiben kann. Aber es ist auch "Schiedsrichter", der "Fouls" der Spieler untereinander, der Regelverstöße gnadenlos ausbuhen kann und muss! Dazu kommt noch die Rolle des "Spielgestalters", denn ohne Stichwörter vom Publikum kann die Gruppe noch so gut sein - es kann keine Szene gespielt werden. Und mit dem abschließenden Applaus nimmt das Publikum sogar die Rolle des "Sportberichterstatters" ein, denn der Applaus ist nichts anderes als die aktuelle Kritik.

Und genau das macht die Faszination des Impro-Theaters wie auch eines Fußballmatches aus - wie inspiriert ist die Truppe, die da spielt? Fiebert man mit ihr mit? Wie gut sind sie aufeinander eingespielt? Schaffen Sie es, Spielszenen so zu gestalten, dass die nächste überraschende Aktion das Publikum vor lauter Begeisterung von den Sitzen reißt?

Hingehen, anschauen und fasziniert sein!